Geschichte

Im Herz des Hochwalds

Die Evangelischen Gemeinden Schauren-Kempfeld-Bruchweiler und Wirschweiler-Allenbach-Sensweiler – ihre Kirchen und ihre Geschichte 

von
Pfarrer Winfrid Krause, Malborn


Christianisierung
Die heute pfarramtlich verbundenen Kirchengemeinden Schauren-Kempfeld-Bruchweiler (1220 Mitglieder) und Wirschweiler-Allenbach-Sensweiler (951 Mitglieder) gehen auf die Christianisierung des Hunsrücks im Mittelalter zurück. Das Christentum war mit den Römern um 250 n.Chr. nach Trier gekommen und hatte sich durch die Protektion des kaiserlichen Hauses seit Konstantin (Toleranzedikt 313) als Bischofssitz über die Stadt hinaus ausgebreitet. Auch in Mainz geht das Christentum bis in die Römerzeit zurück, wenn auch Bischöfe erst seit dem 4.Jahrhundert nachweisbar sind. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches in der Völkerwanderung nahmen die Franken seit der Taufe Ihres Königs Clodwig 498 und andere germanische Stämme allmählich das Christentum an. Wichtig war für unsere Gegend die Missionspredigt der iroschottischen und angelsächsischen Mönche Wendelin ( † 617 St.Wendel), Disibod (im 7.Jh. auf dem Disibodenberg an der Nahe lebend), Willibrord ( † 727 Echternach) und ihre Klöster. Wann der christliche Glaube jedoch von den Städten aufs Land, von Mosel, Saar, Rhein und Nahe auf den Hunsrück kam, ist durch archäologisch und schriftliche Quellen kaum belegt. Seit der Zeit Karls des Großen ( † 814) gehörten die Dörfer zwischen Hochwald und Wildenburg – „zwischen den Wäldern“ – kirchlich zu den Bistümern Trier (Allenbach und Wirschweiler) und Mainz (Sensweiler, Bruchweiler, Schauren und Kempfeld). Die Grenze war die alte römische Provinzgrenze vom Kamm des Idarwaldes über den Gladenbach zwischen Wirschweiler und Sensweiler, den Ringkopf und Katzenloch nach Siesbach. Seit dem Hochmittelalter werden Pfarreien mit Hauptkirchen in Allenbach, Wirschweiler und Sensweiler erwähnt. Dazu hatte Wirschweiler eine Filialkapelle in Bruchweiler und Sensweiler Filialkapellen in Schauren und Kempfeld.

Geschichte
Politisch war die Zugehörigkeit komplizierter: Im karolingisch-ottonischen „Heiligen römischen Reich deutscher Nation“ entwickelte sich aus den Gaugrafen des Nahegebiets das Geschlecht der Wildgrafen, die in verschiedenen Linien auf der Schmidtburg, der Kyrburg und Schloß Dhaun residierten und ab 1328 die Wildenburg ausbauten. Seit 1409 nannten sie sich Wild- und Rheingrafen und bildeten verschiedene, wechselnde Linien, ohne daß die Einheit des Hauses verloren ging. Die Grafen setzten Amtmänner auf der Wildenburg ein, die in ihrem Auftrag relativ selbstständig die Gegend verwalteten. Zum „Amt Wildenburg“ gehörten die Dörfer Kempfeld, Schauren, Bruchweiler und Sensweiler. Entsprechend der alten Grenze zählten Allenbach und Wirschweiler dagegen zur Grafschaft Sponheim bei Bad Kreuznach, seit 1226 zur hinteren Grafschaft Sponheim um die Starkenburg an der Mosel, die nach dem Aussterben des Geschlechts 1437 als Erbe an die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz fiel. Der Veldenzer Anteil ging 1544 an die Pfalzgrafen mit ihren verschiedenen Linien, hauptsächlich in Heidelberg, Simmern, Zweibrücken und Birkenfeld über. Da die Walddörfer keine großen Einkommen brachten, wurden sie von Baden und der Pfalz gemeinsam verwaltet. Um die 1223 erwähnte alte Burg „Ellenbach“, die später zum Schloß ausgebaut wurde, entstand das kleine „Amt Allenbach“, das zum Oberamt Trabach oder Birkenfeld gehörte, wo seit 1584 die Grafen von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld regierten. 1798 kam das zersplitterte linksrheinische Gebiet zum Frankreich Napoleons, 1813 zu Preußen, das 1816 den Kreis Bernkastel bildete. Der Kreis wurde in verschiedene „Ämter“ gegliedert. Zum „Amt Wirschweiler“ zählten zunächst Wirschweiler, Allenbach, Sensweiler und weitere Ortschaften. Zum „Amt Rhaunen“ gehörten Bruchweiler, Schauren, Kempfeld und andere Dörfer. 1851 kamen Bruchweiler, Schauren und Kempfeld zum Amt Wirschweiler hinzu. 1871 schlossen sich die deutschen Länder unter Führung des preußischen Kanzlers Bismarck zum Deutschen Reich zusammen. 1885 wurde die Amtsverwaltung von Wirschweiler nach Kempfeld verlegt. Nach dem 1.Weltkrieg entstand 1919 die Weimarer Republik, die nach der Zeit des Nationalsozialismus und des 2.Weltkriegs 1949 zur Bundesrepublik Deutschland wurde. Das „Amt Kempfeld“ im neugebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz bestand bis 1969 und wurde dann mit Herrstein zusammengelegt; nur Schauren kam zum Amt Rhaunen.

Reformation
Die Reformation hielt in unserer Region von unten als evangelische Volksbewegung und von oben als fürstliche Reformation Einzug. Luthers Kritik am Ablaßhandel und mutiger Auftritt auf dem Wormser Reichstag 1521 wurden überall bekannt.  Auf der Ebernburg in Bad Münster am Stein, der „Herberge der Gerechtigkeit“, trat der streitbare Ritter Franz von Sickingen 1520-23 mit Ulrich von Hutten, Martin Bucer, Johannes Ökolampad, Johannes Schwebel und anderen Humanisten und Theologen für die Reformation ein; hier wurden ab 1522 evangelische Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten. In Mainz wirkten Wolfgang Capito und Caspar Hedio 1520-23 als evangelische Domprediger. Theologiestudenten berichteten in ihrer Heimat von der neuen Lehre aus Wittenberg, Straßburg und Marburg. In der Grafschaft Veldenz, in Meisenheim und Lauterecken wurde ab 1523 durch die Pfalzgrafen von Zweibrücken die Reformation Schritt für Schritt zugelassen und eingeführt. Im erzbischöflichen Koblenz bildete sich unter den Bürgern eine evangelische Bewegung, gegen die die Dominikaner 1524 eine Disputation abhielten. In einigen Orten wirkten lutherische Geistliche: in Bad Münster am Stein ab 1521 und später ab 1528 in Kirn, der „Hauptstadt“ der Wild- und Rheingrafschaft, Pfarrer Peter Siegel, wo die Bürgerschaft 1543/44 zur Reformation überging, in Meisenheim am Glan 1523-67 der vom Johanniter-Konvent zum Studium nach Wittenberg entsandte Pfarrer und spätere Superintendent Nikolaus Faber, in Zweibrücken seit 1523 Johannes Schwebel als Hofprediger der dortigen Pfalzgrafen, in St.Goar am Rhein, das zur Landgrafschaft Hessen gehörte, von 1528-42 Pfarrer Gerhard Ungefug. In Meisenheim, wo 1526 das Abendmahl in beiderlei Gestalt eingeführt wurde und 1529 der Züricher Reformator Huldreich Zwingli auf der Reise zum Marburger Religionsgespräch Station machte, wurde 1534 eine vollständige Lutherbibel für die Kirche angeschafft. In Idar und Oberstein wirkten 1544/47 die lutherischen Pfarrer Matthias Hoxen und Hermann Butzweiler. Ein Reformationsversuch des aus Olewig stammenden jungen Calvinschülers Caspar Olevian 1559 in Trier, der vom Rat der Stadt unterstützt wurde, scheiterte am militärischen Eingreifen von Kurfürst und Erzbischof Johann von der Leyen.

Obwohl Kaiser Karl V. aus dem katholischen Hause Habsburg seit dem Wormser Reichstag die alte Kircheneinheit – teils mit obrigkeitlichem Druck, Dekreten und Verboten, teils mit ernsthaften Verhandlungen wie auf dem Augsburger Reichstag 1530 – wiederherstellen wollte, war die konfessionelle Entwicklung in den Territorien des Reiches verschieden und viele Jahre relativ frei. Im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, dessen Ämter Meisenheim, Lichtenberg und Veldenz an den Hunsrück heranreichten, trieben Pfalzgraf Ludwig II. und Ruprecht, die beide auf dem Wormser Reichstag 1521 Luthers Auftritt erlebt und von seinem Anliegen begeistert waren, ab 1523/32 und Herzog Wolfgang dann seit 1543 energisch die lutherische Reformation voran. Auch im hintersponheimischen Amt Birkenfeld förderte der auf der dortigen Burg residierende junge Graf Georg von Simmern seit 1541 die Reformation und stellte einen evangelischen Hofprediger ein.  Viele Fürsten nahmen jedoch aus Rücksicht auf den Kaiser und die mächtigen Kurerzbischöfe von Köln, Mainz und Trier eine vorsichtig-abwartende Haltung ein. So auch die über über das Amt Kempfeld herrschenden Wild- und Rheingrafen: Philipp von Dhaun und Johann VII. von Kyrburg hatten zwar am Wormser Reichstag teilgenommen, ohne daß etwas über den Eindruck, den Luther auf sie gemacht hatte, bekannt wäre. Der bald darauf erkrankte Philipp, der noch 1521 starb, wünschte vielmehr, mit „soviel Vigilien und Messen begraben zu werden, als man dazu Priester haben“ könnte. Aber die Witwe Johanns VII., Anna von Isenburg, die seit 1533 die Kyrburger Grafschaft für ihre minderjährigen Söhne regierte, 1545 das Amt Dhronecken, die Mark Thalfang, als Witwenteil erhielt und zeitweise dort auf der Burg wohnte, und Philipp Franz von Dhaun (1518-61), zu dessen Gebiet auch die Herrschaft Oberstein und Wirschweiler gehörten, waren spätestens von etwa 1540 an wohl evangelisch gesonnen. Jedenfalls duldeten sie in ihren Ländern seit dieser Zeit, besonders an der Nahe, auch in der Kirn und Idar-Oberstein, evangelische Prediger mit der entsprechenden Wirkung auf den Glauben des Volkes. Auf dem Reichstag zu Worms 1545 antworteten die wild- und rheingräflichen Gesandten auf die Frage des kaiserlichen Marschalls, „ob ihre Herren noch der alten Religion seien“, zweideutig, „sie laßten (=ließen) Meß thun und predigen“, nahmen aber nicht an den Versammlungen der Altgläubigen teil.

Der Sieg Kaiser Karls V. über den Schmalkaldischen Bund der Protestanten in der Schlacht bei Mühlberg 1547 führte auf Reichsebene zum sog. Interim (1548-52), nach dem bis zur endgültigen Beilegung der Religionsstreitigkeiten die Evangelischen, denen die Priesterehe und das Abendmahl in beiderlei Gestalt zugestanden wurde, in die Katholische Kirche zurückkehren sollten. Die Wild- und Rheingrafen mußten es gezwungenermaßen unterschreiben und hielten sich deshalb öffentlich möglichst bedeckt. Ihren Geistlichen wurde befohlen, an einer erzbischöflichen Synode in Mainz 1548 teilzunehmen, aber freigestellt, bei ihrer jeweiligen Überzeugung zu bleiben. Anläßlich einer Kirchenvisitation des Mainzer Erzbischofs 1550 in Kirn hieß es in der Instruktion der Grafen für ihre Priester und Pfarrer, „sie möchten des Erzbischofs Begehren anhören und fernerhin ihres Gefallens entweder bei der jetzigen (evangelischen) Meinung beharren oder die Änderung (des Interims) vornehmen“. Im Mainzer Visitationsbericht wurde dann für die Wild- und Rheingrafschaft  festgestellt: „Es sind die Pfarrer in sehr geringer Zahl erschienen, in ihrer Lehre und ihren Ceremonien von der katholischen Religion völlig abgewichen. Es ist ferner das Meßamt nicht mehr in Gebrauch und die bischöfliche Gerichtsbarkeit ganz vergessen.“ Man kann daraus schließen, daß die Grafschaft – Fürsten, Geistliche und Volk – überwiegend evangelisch geworden war.

Nach dem von Kurfürst Moritz von Sachsen 1552 dem Kaiser abgetrotzten Passauer Vertrag  erhielten die Reichsstände der Augsburger Konfession von 1530 (Lutheraner) wieder die freie Religionsausübung. Der Augsburger Religionsfriede 1555 gab dann den Landesherrn das Recht, in ihren Gebieten die Konfession zu bestimmen („cuius regio, eius religio“ – wessen Gebiet, dessen Religion), während die andersgläubigen Untertanen auswandern durften. Die Herzöge von Pfalz-Simmern-Zweibrücken, die bisher schon – besonders seit 1545/46 Kurfürst Friedrich II.  – die evangelische Predigt zugelassen und die Reformation gefördert hatten, erklärten sich jetzt offen für die Reformation. 1556 ordnete Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz entsprechend für die vordersponheimischen Ämter Kreuznach und Kirchberg eine Visitation im evangelischen Sinne an. Für die ehemalige hintere Grafschaft Sponheim, zu der das Kirchspiel Kleinich und das Amt Allenbach mit  Wirschweiler gehörten, führte Pfalzgraf Friedrich II. von Simmern – der spätere reformierte Kurfürst Friedrich III. der Fromme – 1557 die Reformation ein, setzte eine Visitation an und sorgte für evangelische Pfarrer. Er bekannte sich – obwohl reformiert gesonnen – auf dem Reichstag zu Augsburg 1560 zur lutherischen Confessio Augustana, um dem Vorwurf des Calvinismus zu entgehen, war doch durch den Augsburger Religionsfrieden bisher nur die lutherische Konfession reichsrechtlich anerkannt. In der hinteren Grafschaft Sponheim wurde 1560 durch den mittlerweile zuständigen Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken in allen Gemeinden eine lutherische Visitation durchgeführt. Weil die Kirchen und Pfarrer keine Bibeln hatten, sollten die Meßgewänder, Weihkessel und liturgischen Kleinodien verkauft und vom Erlös Bibeln in der deutschen Übersetzung Martin Luthers und die lutherischen Bekenntnisschriften angeschafft werden. 1566 wurde Pfarrer Heinrich Henning in Trabach zum Superintendenten der hinteren Grafschaft Sponheim ernannt; seit 1592 gab es zwei geistliche Inspektoren, von denen einer für die Ämter Allenbach, Birkenfeld und Herrstein zuständig war. Die Kirchenordnung Herzog Wolfgangs sah auch das Amt der Censoren vor. Hierfür wählten die Visitatoren auf Anraten des Pfarrers und der vornehmsten Gemeindeglieder 5-6 ehrbare und angesehene Männer der Gemeinde aus, die über den Lebenswandel der Gemeindeglieder wachen und die Kirchenzucht ausüben sollten – die Vorstufe des späteren Presbyteramts.

Auch die Wild- und Rheingrafen bekannten sich seit 1555 offen für die Reformation, führten das Augsburger Bekenntnis und Luthers Kleinen Katechismus ein und erließen entsprechende Verordnungen, die sich an der Kirchenordnung Kurfürst Ottheinrichs von der Pfalz (Heidelberg 1556) orientierten. Die Dhauner Linie richteten 1559 im Stift St.Johannisberg bei Schloß Dhaun als Kirchenbehörde für ihre Länder eine Superintendentur ein, die seit 1661 mit der ersten Pfarrstelle in Kirn verbunden war. Die dortigen Superintendenten waren lutherische Geistliche, die die Reformation mit Nachdruck vorantrieben. Superintendent Albrecht von Hellbach etwa entwarf 1598 eine eigene Kirchenordnung für die ganze Wild- und Rheingrafschaft, die von der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Straßburg 1603 gutgeheißen und in den Pfarrkonventen diskutiert wurde. Sie trat allerdings wegen eines lutherisch-calvinistischen Gegensatzes im Herrscherhaus und des Dreißigjährigen Krieges nicht in Kraft, sondern wurde erst 1693 in leicht veränderter Form gedruckt und gültig.

Im Kyrburger Landesteil ging man weniger zentral vor, sondern orientierte sich mehr an den örtlichen Gegebenheiten. Auf dem Hunsrück wurde 1556 in Schauren die Reformation durchgeführt; Sensweiler, Kempfeld, Bruchweiler und die anderen Orte des Amtes Wildenburg folgten. Die evangelische Gräfin Anna, starb 1557. Ihr Enkel Otto I. wurde 1559 volljährig und regierte bis zu seinem Tode 1607. Dieser ganz lutherisch eingestellte Herrscher übte das landesherrliche Kirchenregiment persönlich, durch seine Kanzlei aus. In Veitsrodt, wo die Reichsabtei St.Maximin bei Trier über das Pfarrbesetzungsrecht verfügte, wirkten spätestens ab 1560 evangelische Pfarrer. In der Mark Thalfang wurde 1564/65 und im vierherrische Hottenbach um 1600 die Reformation eingeführt. Eine alte Censurordnung, die 1694 von Rheingraf Leopold in Grumbach erlassen wurde, zeigt die strengen Regeln des kirchlichen Lebens dieser Zeit. Sie befindet sich – leicht beschädigt, ohne Titelblatt und mit 77 Punkten – als Abschrift von 1696 im Schaurener Pfarrarchiv; aus Sensweiler befinden sich im Wirschweilerer Pfarrarchiv dieselbe Censurordnung mit Titelblatt als Abschrift von 1696 und die 9 Punkte umfassende Censurordnung von 1749 als Abschrift von 1754.

Ab 1817 kam dann in Preußen die Union zwischen Lutheranern und Reformierten zustande. 1818 trat die lutherische „Gesamtpfarrei Sensweiler“ der preußischen Union und ihrem „Abendmahlsritus“ bei; eine Kopie der entsprechenden Urkunde  von 1838 befindet sich im Schaurener und Wirschweilerer Pfarrarchiv. Die Filiale Bruchweiler wurde 1820 eine eigene Gemeinde und pfarramtlich statt mit Wirschweiler mit dem nähergelegenen Sensweiler verbunden. Kempfeld war schon 1756 eine eigene Gemeinde geworden und gehörte zum Pfarramt Schauren. Seit 1835 galt dann die preußische Kirchenordnung in der Rheinprovinz. 1840/1 wurde die große Pfarrei Sensweiler mit ihren 4 selbstständigen Kirchengemeinden in die Pfarreien Sensweiler-Bruchweiler und Schauren-Kempfeld aufgeteilt. Seit 1826/41 waren also von den 6 Dörfern je zwei zu einer Kirchengemeinde verbunden: Allenbach und Wirschweiler (Pfarrhaus), Bruchweiler und Sensweiler (Pfarrhaus), Kempfeld und Schauren (Pfarrhaus). 1972-75 wurden aus den bis dahin selbstständigen 6 Kirchengemeinden die beiden neuen Gemeinden Schauren-Kempfeld-Bruchweiler (Pfarramt in Schauren) und Wirschweiler-Allenbach-Sensweiler (Pfarramt in Wirschweiler) gebildet. Seit 2011 haben beide Gemeinden nur noch eine Pfarrstelle und sind pfarramtlich verbunden. So wachsen die Dörfer zwischen Hochwald und Wildenburg „zwischen den Wäldern“ (August Keller) langsam zusammen und sind bis heute mehrheitlich evangelisch. Nur Langweiler, das durch den 30-jährigen Krieg und die Pest ganz verwüstet war und durch Köhlerfamilien aus Wallonien neu besiedelt wurde, ist überwiegend katholisch; es gehörte lange zur Pfarrei Bischofsdhron-Morbach, heute zu Birkenfeld.

Über die Glocken

Da sich in Sensweiler und Schauren sehr alte Glocken befinden, habe ich sämtliche Glockeninschriften unserer Kirchen neu abgelesen und hier zusammengestellt. Kleinere, primitive Glocken waren in vielen vorchristlichen Völkern und Kulturen bereits zur Signalgebung oder in religiösem, häufig apotropäischem Gebrauch. Im Christentum kamen sie nach der konstantinischen Wende zuerst im Mönchtum auf. Die älteste Erwähnung hierfür ist ein Brief des Diakons Ferrandus von Karthago an den Presbyter Eugippius in Italien aus dem Jahre 535, in dem er die Glocke (campana) nach der „heiligsten Gewohnheit der Mönche“ (consuetudo sanctissima monachorum) für die Herbeirufung der Gemeinde zum Gebet empfiehlt. Bischof Gregor von Tours nennt in der 2.Hälfte des 6.Jahrhunderts ein „signum“, das zu Beginn des Gottesdienstes und zu den „kanonischen Stunden“ (horae canonicae), also zum Stundengebet der Mönche, mit einem Seil in Bewegung versetzt wurde, offensichtlich eine Turmglocke. Über die Benediktiner, die wohl seit dem 6.Jahrhundert den Glockenguß betrieben und die iro-angelsächsische Mission kamen die Glocken dann nach Deutschland. Patron der Glockengießer ist der Hl.Fortchern bzw. Forkernus, Bischof der irischen Stadt Trim († 5./6.Jh.), ein Schüler des Hl.Patrick. Der englische Abt Gutberct von Weremouth, ein Schüler des Beda Venerabilis, schenkte in der 2.Hälfte des 8.Jahrhunderts Bischof Lullus von Mainz eine „cloca“. Karl der Große (768-814) ließ Glockengießermönche aus St.Gallen nach Aachen kommen. Der Benediktinermönch Theophilus beschrieb um 1125 in seinem Werk Schedula diversarum artium u. a. auch die Herstellung von Glocken. Abt Everwinus (oder Hebroinus) ließ für die Klosterkirche St.Vitus in Mönchengladbach um 1150 eine Glocke gießen, die dem heiligen Märtyrer (sancti viti martiris) geweiht war, aber verloren ist.

Die ältesten erhaltenen Glocken in Deutschland sind der aus Platten geschmiedete, wohl in einem Kloster in der Umgebung von Köln verwendete, heute dort im Schnütgen-Museum befindliche „Saufang“ (9./10.Jh.), die um 950 in der Wikingerstadt Haitabu gegossene bienenkorbförmige, bronzene „Ansgarglocke“ (1978 ausgegraben), die laut Inschrift um 1000 zu Ehren der Hl.Dreieinigkeit gegossene Glocke der Klosterkirche Walbeck in der Magdeburger Börde, die sich heute im Berliner Bodemuseums befindet, die wohl 1038 ebenfalls bienkorbförmig gegossene bronzene „Lullusglocke“ im Katharinenturm der Stiftsruine Bad Hersfeld und die 1144 gegossene Bienenkorbglocke von Iggensbach in Niederbayern. Walahfrid Strabo, Abt der Reichenau (808–849), unterscheidet um 840 gegossenen Bronzeglocken von aus Eisen geschmiedeten Glocken. Die Glocken werden seit dieser Zeit in Bronze gegossen, einer Legierung von 3/4 bis 4/5  Kupfer und 1/4 bis 1/5 Zinn. Mehr Zinn macht das Metall härter und den Ton heller und schöner, erhöht jedoch die Gefahr von Rissen und Sprüngen. Wegen der teuren Metalle wurden in armen Zeiten Glocken aus Eisen oder seit 1852 auch aus Stahl gegossen, deren Klang jedoch minderwertig ist und nicht die Fülle und Schönheit der Bronzeglocken erreicht. Die ältesten Bronzegußglocken haben die Form eines von oben bis unten gleichumfänglichen Bienenkorbs (8.-12. Jh.), die im 12. Jahrhundert von der sich nach unten erweiternden, kegelartigen Zuckerhutform abgelöst wurde. Im 13.Jahrhundert wurde durch die gotische Rippe als Schablone die Glocke zur bis heute üblichen, geschwungenen Form gebracht und wesentlich verbessert: der Schlagring wurde verstärkt und nach außen hervorgehoben, der Mantel geschweift, die Haube verjüngt und oben eine Krone mit Henkeln zum Aufhängen angebracht. Der Hauptton erreichte mit seinen Nebentönen jetzt eine bisher unbekannte, harmonische Klangfülle. In den Städten machten weltliche Glockengießer den Mönchen Konkurrenz. Seit dem 14.Jahrhundert wurden so viele ältere Glocken in die neue Form umgegossen, so daß nur noch wenige alte Glocken erhalten sind.

Die älteste erhaltene Glocke im katholischen Rheinland ist wohl die in St. Pankratius im bergischen Odenthal befindliche glatte „Totenglocke“ in Bienenkorbform ohne Inschrift, die auf ca.1050-1200 datiert wird. Im Rheinland sind erste Glockengießer im 11.Jahrhundert in Köln nachweisbar; hier gab es auch eine Glockengasse. In Mainz werden ab 1330, in Trier ab 1384, in Speyer ab 1387 und in Kaiserslautern ab 1430 Glockenmeister namentlich genannt, oft Familien, die ihr Wissen über Generationen weitergaben. Auch in Aachen, Frankfurt am Main, Worms, Koblenz, Bingen, Andernach, Bad Kreuznach und Hachenburg gab es Glockengießer. Seit dem 15. Jahrhundert gingen die bis dahin wandernden, vor Ort gießenden Glockenmeister dazu über, die Glocken in ihren Werkstätten in den Städten herzustellen und zum Bestimmungsort zu transportieren. Ab der 2.Hälfte des 16.Jahrhunderts geht ihre Zahl dann zurück, offenbar weil der Bedarf weitgehend gedeckt war. In den Kriegen, besonders im Dreißigjährigen Krieg, 1. und 2. Weltkrieg, wurden jedoch viele Glocken aus den Kirchtürmen entfernt und zu Kanonen und Waffen umgegossen.

Für die Inschriften war zunächst die romanische Majuskel in Gebrauch, die seit dem 15.Jahrhundert durch die gotische Minuskel verdrängt wurde. Im 16.Jahrhundert setzte sich dann die aus Majuskeln und Minuskeln, Groß- und Kleinbuchstaben bestehende Antiqua durch. Die Zahlen wurden bis ins 15.Jahrhundert mit römischen Buchstaben, dann zunehmend mit arabischen Ziffern geschrieben. Die ältesten Inschriften wurden rechtsläufig in den Lehmmantel eingeritzt oder mit gedrehten Wachsfäden eingesetzt, so daß sie auf der Glocke spiegelverkehrt gelesen werden mußten. Später wurden Buchstabenschablonen aus Holz verwandt, die auf der Glocke richtig herum lesbar waren. Im 13.Jahrhundert kamen zusätzliche Ornamente, Bilder und kalligraphische Schriftzüge auf. Die älteren Inschriften nennen den Heiligen oder Patron, dem die Kirche geweiht war, oder die 4 Evangelisten. Später kommen dann Gebete und Sprüche hinzu, zunächst in lateinischer, seit Mitte des 14.Jahrhunderts auch in deutscher Sprache. Häufig verwandt wurde: „In Gottes Ehre laden ich, die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, böse Wetter, Blitz, Donner, Teufel vertreiben ich, die Sünder tröste ich, N.von N. goß mich“. Infolge der Reformation wurden gerne Bibelworte benutzt. Seit dem 16.Jahrhundert werden auch Pfarrer, Kirchenvorstände und Stifter genannt.

Im Mittelalter kamen Glocken über ihre Signalwirkung hinaus auch als Musikinstrumente in Gebrauch. In den städtischen Türmen der Dome und Kathedralen wurden zuerst mehrere Glocken unterschiedlichen Klangs aufgehängt, so daß sich ein schönes Geläut ergab. Das älteste erhaltene Glockenspiel (cymbala) mit zwölf Glocken wird um 1200 datiert. Besonders in den Niederlanden und in Flandern wurden seit dem 15.Jahrhundert Glockenspiele beliebt, die eine genau Tonhöhe jeder einzelnen Glocke voraussetzen. Da sich in Sensweiler und Schauren sehr alte Glocken befinden, habe ich sämtliche Glockeninschriften unserer Kirchen neu abgelesen und hier zusammengestellt.

Die Kirchen

Allenbach
Das zur hinteren Grafschaft Sponheim gehörende Allenbach hatte in der 1265  erstmals erwähnten Burg wohl zunächst eine Burgkapelle, die eine Filiale von Siesbach war. Schon 1334 wird eine Pfarrkirche erwähnt, die „unserer lieben Frau“, der Jungfrau Maria, geweiht war und neben dem Burgschloß lag. Während der Reformation wurde der alte Hochaltar mit den Heiligenbildern entfernt. Der damalige Leutpriester der katholischen Pfarrer, der Pleban und Vikar (=Vertreter des eigentlichen Stelleninhabers, der nur den Zehnten einzog), Gerhard Boer, wollte wohl evangelischer Pfarrer werden und hat das mit der Visitation einhergehende Examen seiner Lehre und seines Lebenswandels „wohl bestanden“. Nachdem bei der Visitation 1580 das Ave-Maria-Läuten abgeschafft worden war, berichtete der Allenbacher Amtmann Peter Neumann, daß in seinem Bezirk jetzt morgens und abends geläutet werde, um die Menschen an das Beten zu erinnern, woran man sonst die Woche über kaum denke. Wegen der Not des Dreißigjährigen Krieges und der vielen Pesttoten wurden 1632 Allenbach und Wirschweiler als Pfarreien zusammengelegt. Während der Pfarrer in Wirschweiler wohnte, wurde in Allenbach eine Schule eingerichtet. 1754 wurden die erstarkten Pfarreien wieder getrennt und 1820 wieder vereinigt.  Weil die alte Kirche klein und baufällig war und 1777 einstürzte, entschloß man sich zum Neubau im klassizistischen Stil neben dem Schloßgarten in Nachbarschaft der alten Kirche an der Dorfstraße, der nach Plänen des pfalz-zweibrücker Baudirektors Friedrich Gerhard Wahl ausgeführt und 1781 vollendet wurde. Die Stummorgel ist von 1832. Im Turm hingen ursprünglich 3 alte Glocken mit folgender Aufschrift:

1) In Gottes Ere ludten (=laden) Ich. Hans von Bruch goß mich 1515.
Diese alte, mit einem Marienbild versehen Glocke wurde wegen Schadstellen 1861 umgegossen. Der Glockengießer, auch Hans von Brysich genannt, wirkte in Trier.

2) Jesus Maria heißen ich. All bus (=böse)Wedder vertriben ich. Clas Molc gos mich. XVCXXX (=1530). Glockengiesser Clas Molc oder Moll aus der Glockengießerfamilie Wolf aus Prüm lebte in Trier.

3) In usum ecclesiae Evangelicae Allenbaco Sponheimicae per Christoph Klein in Ernstweiler Anno domini 1766 Refusa – deutsch: Zum Gebrauch der evangelischen Gemeinde Allenbach im Sponheimischen durch Christoph Klein in Ernstweiler (bei Zweibrücken) im Jahr des Herrn 1766 umgegossen. – Diese Glocke war durch Umguß einer älteren Glocke ohne Aufschrift entstanden.

Durch Umguß dieser älteren, wohl beschädigten Glocken von 1515, 1530 und 1766 entstanden 1861 bei der Glockengießerei Lindemann in Zweibrücken 3 neue Glocken. Die 1., kleine Glocke mußte im 1.Weltkrieg abgegeben werden und ging verloren. Aus den beiden anderen Glocken entstand 1925 bei der Glockengießerei Pfeifer in Kaiserslautern durch Umguß ein neues Geläut mit 3 Glocken:

1) Unseren gefallenen Helden 1914-1918

2) Wir opferten uns in eherner Zeit 1917-1924

    Wir stiegen herauf in schwerem Leid 1925

3) Hier hängen wir wieder im alten Turm

    Gott wollen wir loben in heiligem Sturm

    Meister Pfeifer in Kaiserslautern goß mich

    Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde Allenbach 1925

Von ihnen gingen die ersten zwei im 2. Weltkrieg verloren und wurden 1964 durch neue ersetzt. Die heutigen Glocken haben in der Reihenfolge ihrer Größe folgende Aufschrift:

1) Hier hängen wir wieder im alten Turm

    Gott wollen wir loben in heiligem Sturm

    Meister Pfeifer in Kaiserslautern goß mich

    Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde Allenbach 1925

2) 1964 – Wachet und betet! (Mk 14,38)

Evangelische Kirchengemeinde Allenbach / Hunsrück

Auf einem kleinen Rundmedaillon steht: Ingenieur Hans Huesrer me fecit (=hat mich gemacht) 

     Am oberen Ring sind Fische und die zusammengeschriebenen griechische Buchstaben für

Christus erkennbar: XP (=Chr)

3) 1964 – Friede sei mit euch! (Joh 20,19)

Evangelische Kirchengemeinde Allenbach / Hunsrück

     Auf einem kleinen Rundmedaillon steht: Ingenieur Hans Huesrer me fecit  (deutsch: machte

mich). Am oberen Ring sind Fische und die zusammengeschriebenen griechische Buchstaben

für Christus erkennbar: XP (=Chr).

Beide Bronzeglocken wurden in der Glockengießerei Gebr. Petit und Edelbrock, Gescher / Westfalen, gegossen. Die Glockengießerfamilie Petit aus Brabant war im 18.Jahrhundert am Niederrhein tätig.

Wo das alte Pfarrhaus stand, ist unbekannt. Das 1567 gegenüber der Kirche neu erbaute Pfarrhaus (heute: Hauptstr47 – Fam. Müller), das seit 1632 als Schulhaus, 1754 bis 1819 wieder als Pfarrhaus diente, wurde 1856 verkauft. Der alte Friedhof, der sich um die Kirche befand, wurde aufgrund der in den Jahren 1575 und 1598 besonders viele Tote fordernden Pest im Jahre 1608 an den westlichen Ortsrand verlegt.

Wirschweiler

Das 975 erstmals erwähnte Wirscheiler – ein 1899 gefundenes römisches Säulenkapitell läßt auf eine alte Besiedlung des Dorfes schließen – gehörte zur hinteren Grafschaft Sponheim. Die mittelalterliche, wohl im 13.Jh. errichtete Kirche hatte die Herren von Oberstein zu Patronen; sie in wurde im 15.Jh. als Pfarrkirche erwähnt und war der Hl.Katharina geweiht. Während der Reformation wurde der katholische Pfarrer Johannes Besthaupt entlassen; es heißt im Visitationsprotokoll: „Ist in Examine und der gethanen Predigt übel bestanden, hat dieselbe von Wort zu Wort aus der Postill Spangenbergii gelesen“. Es handelte sich wohl um eine Postille (= Sammlung von Musterpredigten) von Cyriakus Spangenberg (1528-1604), eines lutherischen Pfarrers und Generaldekans der Grafschaft Mansfeld, dessen Osterlied „Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100) heute noch gerne gesungen wird. Der romanische, sechseckige Taufstein aus dem 15./16.Jh. sollte, wie bei der Kirchenvisitation 1567 angeordnet wurde, aus der Kirche entfernt werden – ebenso wie die Kruzifixe abgehängt, die Heiligenbilder an den Altären abgenommen und die Sakramentshäuschen zugemauert werden sollten; die Taufe wurde hinfort mithilfe eines Beckens auf dem Altar vollzogen. Der Taufstein wurde jedoch gerettet, indem er mit einem Brett bedeckt bis 1956 als Altarunterlage diente. Seitdem ist der für Ganztaufen kleiner Kinder ausgehöhlte Stein mit einer Zinnschale folgender Aufschrift versehen: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden“ (Mk 16,16).

Wegen Baufälligkeit mußte die Kirche 1582 und 1608 erneuert werden; dabei wurde der Turm 1582 auf den alten Fundamenten neu erbaut. Schießscharten in mittlerer Höhe zeigen, daß er auch als Wehrturm gedient hat; bei einer Renovierung 1726 wurde er mit dem sponheimischen Wappen versehen. In ihm hängen zwei Glocken aus den Jahren 1532 und 1700. Die Glocken haben folgende Aufschrift:

1) CATHERINA HEISCHEN ICH. IN GOTES EYE (=Ehre) LUDEN (=laden) ICH. DEDERICH VAN

    WYNEFELT GOS MICH IM JARE (=Jahre) MDXXXII (=1532).

Dederich oder Dietrich Wolf von Prom bzw. Prüm oder Winsfeld bzw. Weinsfeld bzw. Wynzfelt war ebenso wie Matthias Crommel oder Cremel oder Grimmel ein Glockengießer von Trier.

2) Kompt, last uns auf den Berg des Herren gehen. Esai 2 (=Jesaja 2,4) Iohann Carl Musculus,

    Pfarrer zu Wirsweler u(nd) Al(lenbach) I.W.I.M. beide Keirchk. (=Kirchenknechte) Matthias

    Crommel von Trier gos mich anno MDCC (=1700).

Eine dritte alte Glocke, die im 1.Weltkrieg abhanden kam, wurde 1927 durch eine „Heldengedächtnisglocke“ für die Gefallenen, gegossen von der Glockengießerei Schilling, Apolda,  ersetzt, die die Aufschrift trug: „Wir sind die Helden gefallen im Streite 1914-18“. Aus dem 2.Weltkrieg, in dem die 1. und 3.Glocke abgegeben werden mußten, kehrte nur die älteste Glocke wieder zurück; die dritte Glocke ging verloren.

In der Kirche soll sich früher auch der „Große Herrgott von Rapperath“ befunden haben, ein schlichter, beeindruckender Christus am Kreuz, der dort bei Morbach in einer kleinen Kapelle hängt. Er wurde entweder im Zuge der Reformation – vielleicht durch den bilderfeindlichen reformierten Einfluß in der Pfalz – entfernt und nach Rapperath gerettet; oder er stammt erst aus dem 17.Jahrhundert und wurde nachträglich mit einer den Konfessionsstreitigkeiten der Zeit entsprechenden Legende versehen.

Das heutige Kirchenschiff wurde 1711 aus älteren Teilen neu errichtet. Im Chor befand sich früher ein Stein mit dem Wappen des Kirchenpatrons, des Grafen von Oberstein. Im Chor liegt hinter der Kanzel eine leider in drei Teile zerbrochene Sandsteingrabplatte von Pfarrer Trein, der nach 43 Jahren Pfarrdienst starb und am 14.11.1753 in der Kirche beigesetzt wurde. Sie trägt folgende Aufschrift (das N ist öfter spiegelverkehrt И):

Umschrift:       (HIER RUHT DER ? E)HRWURDIGE WOHLGE(BOHRENE ? JOH)ANNIS TREIN                    TREU FLEUSIGER EVANGELISCHER PFARRER ZU ALLEN(BACH UN)D                             BRUCHWILLER …

Aufschrift:       GEBOHREN ZU HE(ILIG)EN

BUSCH (=Heiligenbösch)

DEN XXIX IUN(I ?) MDCLXXX (=29.6.1680)

GESTORBEN D(EN) XIII NOVEM(BER)

M(DC)CLIII (=12.11.1753)

ALT LX(XIII J ?) IV M XIV TAG (= 73 Jahre, 4 Monate, 14 Tage)

(AUFER ?)STANDEN

(…) GEN TEXT (der Beerdigungspredigt?)

(MAT)THAEI XXV V XXI (=Mt 25,21)

DU FORMMER (=frommer) UND

GETREUER KNECHT DU

BIST MIR UBER WENIGEM

GETREU GEWESEN ICH

WIL DICH UBER VIEL SETZEN

GEHE EIN ZU DEINS H.F. (=Herrn Freude)

Pfarrer Johannes Daniel Trein, geb. am 29.6.1680 in Heiligenbösch, wurde nach dem Studium an den Universitäten Gießen, Jena und Straßburg Pfarrer in Niederbrombach (1705-1709) und
danach in Allenbach und Wirschweiler mit der Filiale Bruchweiler (1709-1753). Ebenso steht dort noch ein gußeisernes Grabkreuz der Bürgermeistersfrau Catharina Agnela Heider (1811-1859):

Hier ruht die Catharina Agnela Heider

                        Ehefrau des Bürgermeisters Franz Ludwig Storck

                        geb. zu Düsseldorf am 26.Sept.1811

                        gest. zu Wirschweiler am 18.März 1859.

                        Friede ihrer Asche

 

                        Offenb. Joh 14,15

                        Seelig sind die Toten,

                        die in dem Herrn sterben von nun an.

                        Ja der Geist (sp)richt,

                        daß sie ruhen von ihrer Arbeit,

                        denn ihre Werke folgen ihnen nach.

Die Orgel auf der Empore über dem Altar von der Firma Oberlinger stammt aus dem Jahr 1900. Da sie sehr reparaturbedürftig war, wurde sie 1982 von Firma Cartellieri aus Wittlich unter Verwendung alter Teile neu gebaut. Der Kirchhof – früher Friedhof – ist von einer Mauer umgeben. Früher befand sich auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße (Nr.10) das 1763 errichtete alte Pfarrhaus, das 1980 verkauft wurde. Dessen altes Backhaus („Backes“) links vom Kirchaufgang dient heute als Buswartehäuschen. 1979 wurde im Unterdorf 5  ein neues Pfarrhaus für Pfarrer Schneider gebaut, das nach seiner Pensionierung 1993 verkauft wurde. Die Gemeinde konnte 1990 in der Hauptstr.45 einen Rohbau erwerben, der 1991 zum  neuen Pfarrhaus mit Gemeindezentrum ausgebaut und 1992 eingeweiht wurde. Die seit dem Mittelalter selbstständige Pfarrei mit einer Kapelle in Bruchweiler wurde 1632 und erneut 1820 mit Allenbach (s.d.) zusammengelegt, wobei die Filiale Bruchweiler der nähergelegenen Pfarrei Sensweiler zugeordnet wurde.

Sensweiler

Sensweiler wird schon 975 in einer allerdings umstrittenen, wohl gefälschten Urkunde als Schenkung des Erzbischofs von Trier an das dortige Kloster St.Paulin genannt. Seit dem 14.Jahrhundert gehörte es zur Wild- und Rheingrafschaft. Die Pfarrei mit der 1273 erwähnten Kirche, die wohl dem Hl. Nikolaus geweiht war, hatte in der katholischer Zeit Filialkapellen in Schauren und in Kempfeld. Später wurde auch in Bruchweiler eine Kapelle gebaut.

Die Kirche verfügt über einen alten Chorturm, wie sie im Frühmittelalter in Hessen, Thüringen, Sachsen und Anhalt,  im Elsaß, in der Ortenau und auch im Hunsrück, etwa in Hottenbach und bei der Nunkirche, gebaut wurden. Er hat unten zwei romanische Fenster, eine kleine romanische Eingangstür, eine gotische Sakramentsnische und ein Kreuzgewölbe; der mittleren Bereich wird durch seine schmalen Schartenfenster auch als Wehrturm gedient  haben; oben im Stuhl mit seinen Schallfenstern hängen die Glocken. Er stammt sicher aus dem 13.Jahrhundert, ist aber wahrscheinlich älter, womöglich ein alter römischer Wachturm, worauf das bei der Renovierung 1924/25 festgestellte schlechte, z.T. nur mit Lehm verbundene Mauerwerk im unteren Bereich hinweisen könnte, während im oberen Bereich wesentlich besser gemauert wurde; vgl. den römischen Viergötterstein im Hottenbacher Kirchturm, die römischen Fundamente des Rhaunenen Kirchturms, die römischen Fundamente unter der Kirche in Oberkirn, die Kirchwehrtürme in Thalfang und Sulzbach, den römischen „Bäscher Tempel“ im Hochwald zwischen Thalfang und Erbeskopf.

Der Turm war 1918 durch Risse und Ausbuchtungen so baufällig, daß er einzustürzen drohte, er konnte jedoch 1924 trockengelegt und durch Ringanker und zwei breite Strebepfeiler an der Ost- und Westseite (hinter der Kanzel) gesichert werden. Damals wurden auch noch Spuren romanischer Wandmalereien entdeckt, die leider wieder überstrichen wurden.

An seiner  Außenwand wurden unter dem Putz 4 Steinköpfe mit Gesichtern – etwa eines Mannes mit Bart und einer Frau mit Stirnband oder Haarreif – freigelegt, wahrscheinlich Reste eines alten, zerbrochenen Taufsteins aus dem 10.-12 Jahrhundert, wie sie damals aus Namurer Blaustein öfters ins Rheinland geliefert und später ins Mauerwerk eingesetzt wurden (so Provinzialkonservator Dr. Renard 1925), vielleicht sogar antike Bilder von Treverern oder alte heidnische Götzenbilder; ein fünfter Steinkopf befindet sich in einem Astloch der vor der Kirche stehenden Esche (vgl. die alten Köpfe an den Kirchen in Rhaunen und Hausen).

Im 18.Jh. wurde – vielleicht anstelle eines kleineren, älteren Kirchenschiffs – ein größeres Langhaus angebaut, worauf ein alter Stützpfeiler des Chorturms hinter der Kanzel hinweisen könnte. Ähnlich deutbar ist der Durchgang zum Chor, der aus einem jüngeren, barocken  Rundbogen und turmseits aus einem älteren, spitzbogigen, gotischer Triumphbogen besteht.

An der Stirnwand des Chores befinden sich zwei Grabplatten: Links des 1711 verstorbenen Pfarrers Johann Sebastian Kremer mit folgender Um-und Aufschrift:

HIE RUHET IN JESU DER EHRWÜRDIGE HERR JOHANN SEBASTIAN KREMER GEWESZENER 53-JÄHRIGER PFARRER ALHIER UND SCHAUREN,

WURDE GEBOHREN A(NN)O 1634 STARB † 1711. LEICH TEXT 2.CORINTH.4. (2.Kor 4,10)

WIR TRAGEN UMB ALLEZEIT DAS STERBEN DES HERREN JESU AN UNSEREM LEIBE,

AUFF DAS AUCH DAS LEBEN JESU AN UNSEREM LEIBE OFFENBAR WERDE.

Pfarrer Johann Sebastian Kremer wurde am 20.01.1634 in Traben geboren, studierte in Straßburg und war ab 1658 Pfarrer in Sensweiler und der Filiale Schauren. Dort starb er kurz nach Ostern 1711 nach 53-jähriger Tätigkeit im Alter von 77 Jahren.

Rechts die unter etwas abgeschnittene Grabplatte zweier Schwestern mit demselben Namen Catharina, von denen die ältere wohl bei der Geburt, die jüngere im Alter von 4 Jahren 1722 gestorben ist:

(…HIC REQUIES?)CUNT IN PACE DUAE SORORES CATHARINA…..

QUARUM NATU ALTERA NATA A(NNO) MDC(CX?)VII (=1717) DIE 26 MAII

DENATA A(NNO) MDCCXXII (=1722) DIE 30 IANUARII.

TEXT(UM) FUNERIS APOC. 22 V.(ERSUS) 20

ES SPRI(CHT, DER) SOLCHES ZEUGET (JA,) ICH KOMME BA(LD. A)MEN, JA (KOMM, HERR JESU!)

Deutsch: (…Hier ruhen) in Frieden zwei Schwestern Catharina…., von denen (die eine) bei der Geburt, die andere geboren wurde im Jahr 1717 am 26.Tag des Mais, weggeboren (wiedergeboren? =gestorben) im Jahr 1722 am 23.(Tag) des Januars. Text der Beerdigung Apok(alypse = Offenbarung) 22 V.(ers) 20 (=Offb 22,20)…

Beide Catharinen werden die Töchter seines Nachfolgers Johannes Georg Müntz gewesen sein, von denen die jüngere den Namen der verstorbenen älteren weitertragen sollte. Müntz wurde am 6.5.1677 in Herborn geboren, besuchte 1683-1689 das dortige Pädagogium und immatrikulierte sich 1690/91 an der reformierten Hochschule in Herborn. Er war zuerst Pfarrer in Norheim (1697-1698) und Kindenheim/Pfalz (mit Biedesheim 1698-1711). Von dort kam er 1711 nach Sensweiler, wo er von bis zu seinem Tod 1739 Pfarrer war.

In der sandsteingefaßten Sakramentsnische des Chorturms werden eine bronzene Taufschale und ein Weinkanne aus Zinn aufbewahrt. Die barocke hölzerne Kanzel, die mit heute übermalte Bilder der Evangelisten geschmückt war, stammt wie die Empore (Bilder?) und der schöne, säulengestützte Vorbau der verzierten Eingangstür aus dem Jahre 1758.

Im 20. Jahrhundert wurden 7 bunte Kirchenfenster eingebaut:

  • Zunächst im Chorraum hinter dem Altar ein thronender Christus als Herr der Welt mit den Buchstaben A und W („Ich bin das A und das O“ – Offb 1,8;21,5;22,13) und rechts ein Fenster mit Kreuzblume und gleichfarbiger Borte; beide gestiftet 1927/8 vom Frauen- und Jungfrauenverein.
  • Rechts im Kirchenschiff zwei mit ähnlichen Ornamenten verzierte Fenster: die wunderbare Brotvermehrung (5 Brote und 2 Fische – Mk 5,38; Joh 6,9); der „Anker“ der Hoffnung (Hebr 6,19) in Kreuzform mit 2 Fischen; sie wurden 1930 von der Trierer Kunstglasmalerei Binsfeld durch Herrn Dornoff hergestellt.
  • Links im Kirchenschiff drei Bilder: die Jungfrau Maria mit Kind; der auferstandene Jesus; Martin Luther; sie wurden, weil die alten Fenster beschädigt und die Gemeinde für neue kein Geld hatte, durch die Firma Binsfeld / Dornoff hergestellt und vermittelt, im Beisein der Witwe des lange in Trier lebenden Protestanten Ludwig Huber, der sie für eine Kirche als Stiftung in Auftrag gegeben hatte, Luise Hubert aus Allendorf / Hessen, Pfingsten 1934 eingeweiht.

Bei aller Liebe zu Luther handelt es sich doch um eine merkwürdige „Trinität“: Jesus, Maria, Luther, die in einem christlichen Gottesdienstraum wegen der Einreihung und Verwechslung von Gott und Menschen problematisch ist und geändert werden sollte. An der Westseite hinter der Empore befinden sich noch zwei bleiverglaste Fenster ohne jeden Schmuck, vermutlich aus der gleichen Zeit.

Auf dem Altar steht ein größeres Kreuz aus synthetischen Edelsteinen (rote Rubine und blaue Saphire), in die ein kleineres Kreuz aus geschwärzten Achaten eingelassen ist; eine Stiftung von August Fuchs um 1970. Auf der Empore befindet sich eine elektronische Kirchenorgel aus der Zeit um 1985.

Die 3 Glocken stammen aus der Zeit um 1200 und aus den Jahren 1613 und 1671. Sie haben folgende Aufschrift:

1) O REX GLORIE VENI CUM PACE. NICOLAUS + MAGISTER + IOHANNES + S(C)RIPSIT +

    AMEN – deutsch: O König der Herrlichkeit, komm mit Frieden. Nikolaus + Magister Johannes

schrieb (dies) + Amen.

Dieses 1046 erstmals belegte Gebet ist der älteste Glockenspruch vieler Glocken in Deutschland, Frankreich und Spanien, so auch bei der um 1250 gegossenen, zweitältesten Glocke in Schauren. Nikolaus ist vielleicht der Name des Schutzheiligen der Kirche; der Magister (deutsch: Meister, Lehrer, damals ein akademischer Titel) Johannes könnte zu dieser Zeit der Pfarrer von Sensweiler gewesen sein. Es könnten aber auch Schreibersignaturen der Glockengießer sein. Im Trierer Domschatz befinden sich zwei bronzene Türzieher aus dem 13.Jahrhundert mit der lateinischen Aufschrift: „Meister (= magister) Nicolaus und Meister Johannes von Bincio (= das belgische Binche) haben uns gemacht.“ Ein Abguß davon befindet sich an der rechten Tür des Südwestportals des Domes. In der Literatur begegnet auch ein Glockengießer Magister Nicolaus Basiliensis (=aus Basel), der 1356 eine Glocke in Andernach goß; kommt aber für Sensweiler wohl nicht in Frage.

    SANCTUS + IOHANES + LUCAS + MARCUS + MATHEUS +

Die Namen der vier Evangelisten setzte man – hier in umgekehrter Reihenfolge! – auf die vier Seiten der Glocken, damit sie das Evangelium nach allen vier Windrichtungen verkündigten.

Es gibt nur wenige Glocken mit diesen zwei Aufschriften. Die Buchstaben sind noch nicht mit Schablonen, sondern von Hand mit Wachsfäden in die Gußform eingelegt, zudem noch teilweise seitenverkehrt. Auch die Bienenkorbform weist auf das hohe Alter dieser Glocke hin. Sie ist eine der ältesten, vielleicht die älteste in der Ev.Kirche im Rheinland; jedenfalls ist der Glockenforschung und der Glockensachverständigen unserer Kirche keine ältere Glocke bekannt.

2) SINCWEILER + KENPFELT + WILDENBURG + ANNO 1613 MAISTER DANIEL CLE

Die Jahreszahl könnte auch als 1615 gelesen werden; der Glockengießer war Daniel Cle, vielleicht ein Vorfahre der Familien Klee, vgl. den Hausnamen „Hammerschidts“, Familie Klee, Im Brühl 1.

3) MDCLXXI (=1671) LIES DIE SENSWEILER GEMEIND DIESE KLOCK GIESSEN. PASTOR ERAT (=war) J.S.K. (=Johannes Sebastian Kremer; vgl. seine Grabplatte) KIRCHEN – MEISTER WAREN …. UND …. MATTHIAS CROMEL GOS MICH

Matthias Cromel war zu der Zeit Glockengießer in Trier. Der Buchstabe N ist auf dieser Glocke seitenverkehrt: Ͷ . Die Buchstabenabkürzungen für die Kirchmeisternamen bzw. Presbyter sind nachträglich entfernt worden – warum ist unklar.

Das ursprünglich unterhalb der Kirche gelegene Pfarrhaus (heute: Hauptstr.16) wurde 1852 an die Ortsgemeinde abgegeben und dafür ein neues, an der Straße nach Wirschweiler gelegenes, „Weyrichs Haus“ erworben, das nach der pfarramtlichen Zusammenlegung mit Wirschweiler 1982 wieder verkauft wurde, 2015 auch das dazugehörige Gemeindehaus. 1833 wurden für die gewachsene Gemeinde, besonders die Dörfer Schauren, Bruchweiler und Kempfeld, ein 2.Pfarrer berufen, für den in Schauren 1835 ein Pfarrhaus hinter der Kirche gekauft wurde. 1840/1 wurde die Großgemeinde in die Pfarreien Sensweiler-Bruchweiler und Schauren-Kempfeld geteilt.

Schauren

Schauren hat seinen Namen von den althochdeutschen Wort „scura“=Schutz, Obdach, lag doch hier im Mittelalter am Mombach ein Freihof der Grafen von Sponheim, zu dem vermeintliche oder wirkliche Missetäter aus der Wild- und Rheingrafschaft fliehen und Asyl finden konnten. 1106 wird ein Ritter Wilhelm von Scura unter den Gefolgsmannen des Erzbischofs von Trier genannt, womit allerdings auch der Ort Scheuren bei Tholey gemeint sein könnte. Der 1275 beurkundete Ritter Ulrich von Schuren ist dagegen ein Burgmann des Grafen von Sponheim und daher in Schauren anzusiedeln. 1386 wird erstmals eine Pfarrei mit einer wohl ältere Kirche erwähnt, die in der katholischen Zeit dem Kölner und möglicherweise Trierer Bischof Maternus (313/4 erwähnt) geweiht war.

Aus ihr ist noch ein silberner, vergoldeter Abendmahlskelch aus dem Jahre 1280 erhalten, dessen Schaft über und unter dem Griff abwechselnd mit Kreuzen und Dreipässen verziert ist. Auf der Standfläche des Fußes ist ein Kreuz eingraviert, das dem Malteser- oder Johanniterkreuz ähnelt. Das Johanniter- oder Malteserkreuz hat normalerweise 8 Spitzen für die 8 Seligpreisungen (Mt 5,3ff.) und die 8 Zungen (Apg 2,1ff.), also die Acht Sprachen oder Nationen, aus denen der Orden im Mittelalter hervor gegangen ist. Auf dem Schaurener Kelch sind allerdings weitere 4 kleine Spitzen hinzugefügt. An der Nahe gab es in Meisenheim und Sobernheim Niederlassungen dieses Kreuzritterkrankenpflegeordens. Es handelt sich vielleicht um den ältesten Abendmahlskelch in der Ev.Kirche im Rheinland. Auf der Ausstellung „reformatio“ 1965 in Köln wurde er als die älteste „vasa sacra“ gezeigt. Zwar gibt es kein vollständiges Verzeichnis, aber dem Landeskirchenamt ist kein älterer Kelch bekannt.

Die Kirche  war von einem Friedhof umgeben und ist im dreißigjährigen Krieg einem Brand zum Opfer gefallen. Auch das Dorf wurde so verwüstet, daß es pfarramtlich hinfort von Sensweiler verwaltet wurde. Später errichtet man an der Stelle der Kirchenruine das alte Schulhaus in der Talstraße. Im 17.Jahrhundert wurde Schauren wieder zur Pfarrei erhoben, blieb aber mit Sensweiler verbunden. Um 1670 ist nach einem weiteren Brand von einem kleineren Kirchneubau in der Dorfmitte die Rede, der 1753 erneut den Flammen zum Opfer fiel.

Die jetzige schöne Kirche wurde dort 1767 vom Schaurener Zimmermann Johann Nicolaus Wenz im Stil des Bauernbarock erbaut. Sie ist ein seltenes Kleinod des Hunsrücks und als Gesamtkunstwerk erhalten. Innen befindet sich eine mit einem Rautenmuster bemalte Holzdecke; über dem Chor sind drei Bilder mit je einem entsprechenden Bibelwort angebracht: Jesu Taufe mit Proklamation zum Sohn Gottes, Kreuzigung mit Sündenvergebung und Auferstehung mit Andeutung der Himmelfahrt Christi. Auf dem mittleren Bild unten ist hinter dem Schalldeckel der Kanzel ein Kopf erkennbar – vielleicht ein Selbstporträt des Malers. An der Kanzel befinden sich Bilder von Jesus als gutem Hirten und der 4 Evangelisten; an der Kanzelrückwand eine Darstellung des predigenden, segnenden, auferstandenen Jesus. An der Empore sind 18 Bilder mit bekannten Jesusgeschichten aus dem Evangelium:

Ankündigung der Geburt an Maria (Lk 1,26-38)

Geburt Christi (Lk 2,1-20)

Beschneidung Christi (Lk 2,21)

der 12-jährige Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)

Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11)

Blindenheilung (Mk 8,22-26)

Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-45)

Jüngling zu Nain (Lk 7,11-17)

Hauptmann zu Kapernaum (Mt 8,5-13)

Tochter des Jairus (Mk 5,21-43)

Speisung der 5000 (Mk 6,30-44)

Seewandel Jesu mit Petrus (Mt 14,22-33)

Heilung der 10 Aussätzigen (Lk 17,11-19)

Heilung am Teich Bethesda (Joh 5,1-18)

Jesus heilt alle Kranken (Mk 3,10-12; 6,53-56)

Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8,3-11)

Dämonenaustreibung (Mk 3,22-30; 5,1-20)

die blutflüssige Frau (Mk 5,24-34)

Als Maler der unsignierten Bilder werden genannt:

  • der in Kirn ansässige Birkenfelder Hofmaler Johann Georg Engisch (1668-1742), dessen Familie aus Graubünden in der Schweiz stammte und der auch die Kirchen in Mülheim an der Mosel, Löllbach, Imsbach, Dill, Herrensulzbach, Raversbeuren, Lötzbeuren, Fischbach, womöglich auch (oder seine Werkstatt) die von Simmern unter Dhaun, Hirschfeld, Stipshausen, Starkenburg, Enkirch und Wolf mit Bildern versehen hat; Engisch war jedoch beim Bau der Schaurener Kirche schon gestorben, so daß nur seine Schüler in Frage kommen.
  • Franz Freundt aus Bernkastel und Kastellaun (1729-95), wohl ein Schüler von Engisch, der das Cusanusstift in Kues und das Kloster Springiersbach ausmalte und wahrscheinlich auch in Stipshausen tätig war.
  • Johann Peter Weber aus Trier (1737-1804), der in Piesport und Stipshausen gemalt hat.
  • Ein Mitglied der in der Pfalz und in Hessen tätigen Malerfamilie Seekatz.

Restaurator Hermann Velte, Darmstadt, votierte 1955 vorsichtig für Franz Freundt als Maler sämtlicher Schaurener Bilder. Der Vergleich mit den Bildern in Bruchweiler und Stipshausen zeigt, daß die Holzdeckenbilder von Schauren und Stipshausen wohl vom gleichen Maler stammen; jedenfalls sind die Motive (Taufe, Kreuzigung, Himmelfahrt Jesu) und die Rautenmuster die gleichen und die Malweise ähnlich. Annette und Reinhold Schommers vermuten, daß Franz Freundt dieser Deckenmaler sei. Dagegen stammen die Evangelienbilder am Stipshausener Presbytergestühl wohl von einem anderen Maler: Jesus ist hier weiß-blau und nicht rosa-blau gekleidet wie in Schauren; nur der Seewandel Jesu ähnelt dem dortigen. Auch die Emporenbilder von Stipshausen, die die 12 Apostel und Jesus zeigen, und die Bilder der Evangelisten unter der Kanzel sind von einem anderen, wohl katholischen Maler gemalt. Dagegen stammen die Emporenbilder in Bruchweiler wohl von demselben Maler wie in Schauren. Jesus ist auf diegleiche Weise dargestellt. Besonders die Ankündigung der Geburt an Maria, die Hochzeit zu Kana und der Jüngling zu Nain stimmen in vielen Details überein. Annette und Reinhold Schommers vermuten in ihm Franz Freundt, Johann Peter Weber oder einen Maler aus ihrem Umkreis. In Schauren fällt auf, daß Jesus an der Kanzel und an der Empore trotz unterschiedlicher Anlässe und Perspektiven stets mit dergleichen rosa-blauen Kleidung und denselben Gesichtszügen gemalt ist; letzteres gilt auch für die Deckenbilder, wo Jesus aber bei der Taufe halbnackt, am Kreuz ganz nackt und bei der Auferstung bzw. Himmelfahrt in himmlischer Gloriole dargestellt ist. Nimmt man alle diese Beobachtungen zusammen, ergibt sich der wahrscheinliche Schluß, daß Franz Freundt der Schaurener und Bruchweilerer Maler war. Die gesamte Kirchenausmalung wurde 1954-66 von dem Maler- und Restauratorenehepaar Diernhöfer aus Ingolstadt restauriert.

Die Schaurener Stummorgel ist aus dem Jahr 1780. Der Taufstein mit Engeln und jonischen Voluten stammt wie dergleiche in Bruchweiler aus dem Natursteinwerk Faller in Niederhausen / Nahe, 1993. Auf dem Altar steht ein schönes Bronzekruzifix der Metallgießerei Kaderhandt (Lippstadt 1980). Ein restauriertes Uhrwerk der alten Turmuhr, gefertigt von dem Schmied Henn aus Odernheim/Glan aus der Zeit um 1700-1790 (lt. Uhrenmuseum Roggenhausen/Glan um 1765/1770, also möglicherweise noch aus der alten Kirche) steht im Fenster hinter dem linken Presbytergestühl. Derselbe Schmied hatte ähnliche Uhrwerke auch für Hottenbach und Stipshausen hergestellt.

Die drei alten Glocken haben merkwürdigerweise den gleichen Ton  – die größere Maternusglocke fis‘, die beiden kleineren fis“ –  und stammen daher ursprünglich nicht aus einem Geläut. Die beiden ältesten haben schon die bekannte gotische Form und stehen heute im Kirchenschiff; dafür wurden zwei neuere im Jahre 1959 für den Turm angeschafft.

1) Die wohl älteste, „blinde“ Glocke hat weder Inschrift noch Bildchen noch Glockengießerzeichen, was auf ein hohes Alter schließen läßt. Verschiedentlich wird sie deshalb auf ca.1200 geschätzt. Da sie jedoch von der Größe, Metallfarbe und umlaufenden Linien der 2.Glocke mit ihrer gotischen Form genau gleicht, möchte ich sie für jünger als die um 1200 gegossene älteste Sensweilerer Glocke (s.d.) halten und auf ca. 1250 datieren. Sie ist gesprungen und hat einen großen Riß, der nicht mehr repariert werden konnte.

2) XRE (=CHRISTE) GLORIE REX O VENI CUM PACE

Deutsch: Christus, König der Herrlichkeit, o komm mit Frieden!

Darunter befinden sich auf zwei gegenüberliegenden Seiten zwei spielkartengroße gleiche Bildchen des gekreuzigten Jesus mit Johannes und Maria unter dem Kreuz. Der Glockenspruch stammt wie der auf der ältesten Glocke in Sensweiler aus einem alten Kirchengebet, das erstmals 1046 belegt ist. Da die Buchstaben hier nicht wie in Sensweiler aus Wachsfäden mit der Hand geformt sind, sondern bereits Schablonen verwandt wurden, ist die Sensweilerer Glocke als die ältere anzusehen; die Schaurener mag ca. 1250 gegossen worden sein. Die bei der Namensabkürzung XRE (=Christe) aus griechischen und sonst aus lateinischen Großbuchstaben bestehenden Aufschrift ist schwer zu entziffern: alle Buchstaben stehen auf dem Kopf; die Wörter sind zwar in der normalen Reihenfolge von links nach rechts angeordnet; die Buchstaben der ersten drei Wörter XRE (=Christe) GLORIE REX sind aber spiegelverkehrt von rechts nach links geschrieben, die übrigen O VENI CUM PACE nicht. Außerdem sind manche Buchstaben noch seitenverkehrt. Liegen hier Irrtümer eines Lehrlings vor, der die in der Gußform nötige Umkehrung der Schrift nicht beherrschte, oder wurde die Aufschrift bewußt verschlüsselt?

3) MATERN HEISSEN ICH – ALLE UNGEWEDER VERTRIBEN ICH – CLAIS VON ECHTERNACH GOES MICH ANNO DOMINI MCCCCLXXX  (= im Jahr des HERRN1480). Als kleine Bildchen sind die Anbetung der Könige mit drei Kamelen und ein gekreuzigter Jesus erkennbar. Der Glockengießer Clais oder Clasz von Echternach oder Echernach oder van Enen, einem Dorf bei dem luxemburgischen Echternach, war im Erzbistum Trier tätig.

Die beiden neueren Glocken wurden 1959 in der Glockengießerei Rincker in Sinn bei Herborn / Dillkreis, früher Aslar und Leun, gefertigt und haben folgende Aufschrift:

4) ICN + Ps 27/7 1959 Lebende rufe ich

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich. (Ps 27,7) 

5) ICN + Joh 15/13 1959 Tote beklage ich

Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde. (Joh 15,13)

Die Zusatzsprüche erinnern an die Überschrift von Schillers „Glocke“: Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango – deutsch: Lebende rufe ich, Tote beklage ich, Blitze breche ich, die der Dichter von einer alten Glocke von 1486 aus dem Dom von Schaffhausen übernommen hatte.

1833 wurde für das gewachsene Kirchspiel Sensweiler, besonders die Dörfer Schauren, Bruchweiler und Kempfeld, ein 2.Pfarrer berufen. 1840/1 wurde die Großgemeinde in die Pfarreien Sensweiler-Bruchweiler und Schauren-Kempfeld geteilt.Das heutige Pfarrhaus hinter der Kirche war früher ein Bauernhaus und wurde 1835 für den neuen 2.Pfarrer von Sensweiler, der für Schauren, Bruchweiler (bis 1840/1) und Kempfeld zuständig war, gekauft.

Kempfeld

Kempfeld, wohl von lat. campus und dt. Feld oder das Kampf-Feld unterhalb der Wildenburg, wird als Dorf auf dem Feld unterhalb der Wildenburg mit ihrem keltischen Ringwall und einem römisches Militätstützpunkt entstanden sein. Anfang des 13.Jahrhunderts noch ein Lehen des Klosters St.Maximin bei Trier an die Wildgrafen, kauften  diese 1282 die „Schadeberg“ genannte Höhe, auf der Graf Friedrich von Kyrburg ab 1328 die Wildenburg baute. Sie hatte auch eine Burgkapelle, die von einem Kaplan aus Veitsrodt bedient wurde. Mit dem Aussterben der Kyrburger Linie fiel das von hier regierte „Amt Wildenburg“ 1409 an die Dhauner Linie der Wild- und Rheingrafen.

Auch das Dorf besaß im Mittelalter eine Filialkapelle, die zur Pfarrei Veitsrodt, später zur Pfarrei Sensweiler gehörte. 1529 wurde an der Straßenkreuzung eine kleine Kirche erbaut. Wegen des Bevölkerungswachstums wurde die Gemeinde 1756 zur Pfarrei erhoben, jedoch weiter vom Sensweilerer, seit 1841 vom Schaurener Pfarrer betreut und mit Schauren vereinigt. Nach einem Brand 1768 wurde die kleine Kirche durch einen der Schaurener Kirche ähnlichen größeren Kirchbau mit geostetem Chor ersetzt, der auch über Bilder an der Empore und eine Stummorgel verfügte.

Am 25. August 1911 zerstörte ein Brand diese Kirche völlig; 1912/3 wurde deshalb ein quergerichteter Saalbau mit Holztonnendecke und Eingangsturm im Jugendstil neu errichtet. Der Architekt August Senz orientierte sich am Wiesbadener Kirchbauprogramm von 1891, das die Integration des Altarbereichs, einen „Versammlungsraum der feiernden Gemeinde“, also die Aufhebung der unevangelischen Trennung von Chor- und Kirchraum, Priestern und Laien, forderte.

Über dem in der Mitte des Raumes stehenden Altar befindet sich die Kanzel, hinter der ein Bild mit einem Lichtkreuz an Kreuz und Auferstehung Christi erinnert. Die beiden barocken Engel neben der Kanzel wurden von Kommerzienrat Hermann Hommel (1847-1921) gestiftet, der an der Auffahrt zur Wildenburg wohnte und in Oberstein eine Firma für Präzisionswerkzeuge unterhielt. An der Eingangstürwand hängt ein Kruzifix. Die Orgel aus dem Jahr 1912/13 stammt von Paul Faust aus Wuppertal-Barmen. Sie mußte 1975 unter Verwendung einiger Bauteile durch eine neue Orgel der Firma Oberlinger aus Windesheim ersetzt werden.

Im Turm der Kirche hingen vermutlich 3 oder 4 Glocken, von denen zwei wegen Schäden 1865 in Oberkassel neugegossen wurden. Ein Kostenvoranschlag der Glockengießerei Schilling, Apolda, von 1901 im Pfarrarchiv läßt die Anschaffung einer neuen Glocke als Umguß einer alten, beschädigten Glocke vermuten. Nach dem Brand 1911 waren zwei Glocken so einschmolzen, so daß ihre Inschrift nicht mehr bekannt ist. Eine dritte Glocke trug die Aufschrift:

Wohl dem Volke, das diesen Klang kennet. Herr, sie wandeln im Lichte deines Antlitzes. Psalm

(L)XXXIX V.16 (= Ps 89,16; vgl. 2.Mose 28,24; Ps 33,12; 49,5; 84,5; 144,15; Jes 2,5; Offb 14,2) Gottfried Dinckelmaeyer goss mich in Collen Anno (=im Jahr) 1730.

Der Glockengießer Gotfried oder Gottfried Dinkelmaeyer odet Tinckelmeyer war aus Köln. Von den eingeschmolzenen Glocken wurde wohl 1912 durch Umguß eine neue von der Glockengießerei Mabilon-Hausen, früher Mabillot aus Lothringen, seit 1722 in Saarburg ansässig, hergestellt. Ein Kostenvoranschlag des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation von 1912 im Pfarrarchiv läßt auf 3 weitere Gußstahlglocken für die neue Kirche schließen.

Diese neueren Glocken mußten im 1.Weltkrieg bis auf eine Notglocke wieder abgegeben werden und sind verlorengegangen. Deshalb wurden 1920 erneut 3 Bronzeglocken gestiftet und bei der Glockengießerei Mabilon-Hausen in Saarburg hergestellt, wobei eine ältere Glocke zurückgegeben wurde. In der Reihenfolge ihrer Größe hatten sie folgende Aufschrift:

1) Ehre sei Gott in der Höhe! (Lk 2,14) Der evangelischen Gemeinde gestiftet zum Andenken an meine liebe Frau Mathilde Hommel von Konsul und Geh.Rat Hermann Hommel und 4 Kindern.

2) Röm 12,12  Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an dem Gebet! Die Lebenden ermahne ich, die fürs Vaterland Gestorbenen beklage ich.

3) Ps 27,7  Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich. Pfarrer Blöcker, Lehrer Pitz Wilhelm

Leider gingen auch 2 dieser 3 Glocken im 2.Weltkrieg verloren. Heute hängen im Turm 3 neue Gußstahlglocken des Bochumer Vereins für Gußstahlfabrikation, die 1950 von der Firma Kendler & Wengeler in Köln gegossen wurden. Sie haben folgende Aufschrift:

1) Frieden verkünde ich  Luc.2,14 (Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den

Menschen ein Wohlgefallen.)

2) Lebende rufe ich  Ps.27,7 (HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre

mich!)

3) Tote beklage ich  Joh.15,13 (Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für

seine Freunde.)

Die Zusatzsprüche erinnern an die Überschrift von Schillers „Glocke“: „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“ – deutsch: Lebende rufe ich, Tote beklage ich, Blitze breche ich – , die der Dichter von einer alten Glocke von 1486 aus dem Dom von Schaffhausen übernommen hatte. Die übriggebliebene Bronzeglocke wurde der Ortsgemeinde Kempfeld für Katzenloch angeboten. Wo sie geblieben ist, konnte nicht mehr festgestellt werden.

Bruchweiler

In erstmals 1279 erwähnten Bruchweiler bestand wohl seit dem 16.Jahrhundert auf dem heutigen Friedhof eine Kapelle; die im Zuge der Reformation zur Filialkirche erhoben wurde. Die Gemeinde, die lange gehörte zur Pfarrei Wirschweiler gehörte, wurde 1820 selbstständig und pfarramtlich mit dem näher gelegenen Sensweiler verbunden, das 1780 und nochmal 1833 einen 2.Pfarrer für die Filialdörfer Schauren, Bruchweiler und Kempfeld erhalten hatte. 1840/1 wurde dann die Pfarrei Schauren-Kempfeld gebildet, während Bruchweiler bei Sensweiler verblieb.

Die heutige Kirche an der Straßenkreuzung ist laut einer Inschrift über der Eingangstür 1744 erbaut: „Bewahre deinen Fus, wan du zum Haus Gottes gehest, das du komest und hörest (= Prediger Salomo 4,17), was dir Got durch seinen Diener sagen läst. Anno 1744.“

An der Empore finden sich 21 barocke biblische Bilder aus dem Alten Testament und dem Leben Jesu, was gut zum Bildprogramm von Johann Georg Engisch passen würde; allerdings sind die alttestamentlichen und neutestamentlichen Bilder einander nicht typologisch zugeordnet.

AT:       der Sündenfall (1.Mose 3)

Noahs Opfer (1.Mose 8,20-9,17)

Isaaks Opferung (1.Mose 22)

Mose und Aaron (2.Mose 28)

David mit der Harfe (Psalmen)

NT:      Ankündigung der Geburt an Maria (Lk 1,26-38)

Geburt Christi (Lk 2,1-20)

der 12-jährige Jesus im Tempel (Lk 2,41-52)

die Taufe Jesu (Mk 1,9-11)

Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11)

die Anfrage des Täufers aus dem Gefängnis (Mt 11,1-6)

Jesus und die Samariterin (Joh 4,1-42)

Jüngling zu Nain (Lk 7,11-17)

Speisung der 5000 (Mk 6,30-44)

Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1-45)

das Abendmahl (Mk 14,12-25)

Jesu Gebet in Gethsemane (Lk 22,39-46)

die Grablegung Jesu (Mk 15,42-47)

die Auferstehung Jesu (Mt 28,1-10)

die Emmausjünger (Lk 24,13-35)

die Himmelfahrt Jesu (Apg 1,4-11)

Die Bilder gleichen in vielem denen von Schauren (s.d.) und könnten von demselben Maler stammen, also wahrscheinlich von Franz Freundt.

An der Kanzel befinden sich Bilder mit den 4 Evangelisten, vielleicht von demselben oder einem anderen Maler. Auch das Holztonnengewölbe war früher bemalt, wie beim Turmaufgang noch erkennbar ist.

Die Orgelempore hat die Jahreszahl 1833 und trägt eine vielleicht ältere Stummorgel (Prospekt und Gehäuse vor 1790?). Einer Überlieferung nach soll sie der Schmied und Hüttenbesitzer Johann Nikolaus Stumm († 1743 Hammerbirkenfeld) gestiftet haben, der mit der Orgelbauerfamilie Stumm in Sulzbach verwandt war. Eventuell waren auch die Tafelfelder der Orgelempore früher mit Bildern versehen; jedenfalls fehlt ein Kreuzigungsbild, das jedoch auch wie in Schauren an der Holzdecke gewesen sein könnte.

Über der Kanzel wurde 2016 ein schönes Lutherbild von Rolf Schmidt (nach dem berühmten Porträt „Luther als Augustinermönch“ von Lukas Cranach d.Ä.1522-24) gemalt. Der Taufstein mit Engeln und jonischen Voluten stammt wie dergleiche in Schauren aus dem Natursteinwerk Faller in Niederhausen / Nahe, 1993.

Von drei älteren Bronzeglocken ist überliefert, daß 1863 zwei zersprungen waren und das Presbyterium deshalb dem Glockengießer Georg Hammm in Kaiserslautern den Auftrag gab, aus dem Restmetall zwei neue Glocken herzustellen. Diese beiden wurden 1917 kriegsbedingt eingeschmolzen und dafür 1925 (?) eine neue angeschafft. Auf dem Friedhof stehen heute zwei Stahlglocken, die wohl von einem nach dem 1.Weltkrieg angeschafften Notgeläuts stammen. Sie haben folgende Aufschrift:

1) In ernster Zeit dem Herrn geweiht. Geg. v. Bochumer Verein i. Bochum 1922

2) Die Lebenden rufe ich zur Andacht herzu, den Toten läute ich Frieden und Ruh. Geg. v. Bochumer Verein i. Bochum 1922

1990 wurden für die Kirche in der Glockengießerei Rincker, Sinn / Westerwald, drei neue Bronzeglocken gegossen. Sie haben – von oben nach unten nach der Größe aufgehängt – folgende Aufschrift:

3) Ehre sei Gott in der Höhe  gegossen 1990  Ev.Kirche Bruchweiler

    dazu ein spielkartengroßes Bild eines schwebenden Engels

4) und Frieden auf Erden  gegossen 1990  Ev.Kirche Bruchweiler

    dazu ein spielkartengroßes Kreuz

5) und den Menschen ein Wohlgefallen (=Lk 2,14)  gegossen 1990  Ev.Kirche Bruchweiler

dazu ein spielkartengroßes Bild mit dem thronenden Christus

Ein schönes christliches Zeichen in der Natur ist das Graue Kreuz, das am höchsten Punkt der Straße von Bruchweiler nach Hinzerath links in einem Waldweg steht und zwischen 1558 und 1662 errichtet und mehrfach erneuert wurde. Der Sage nach wäre eine evangelische Familie aus Frankreich mit Namen oder aus Monpellier wegen der dortigen Verfolgung der Hugenotten nach der Bartholomäusnacht 1572 nach Deutschland geflohen und hätte sich im Hochwald eine Hütte gebaut und vom Holzhauen gelebt. Die schöne Tochter Marie hatte in der Umgebung manche Verehrer, so auch einen reichen Bauernsohn Franz aus Bruchweiler, der jedoch ein Wilderer war und wegen seines rohen Wesens bei ihr keine Gegenliebe fand. Stattdessen verliebte sich das hübsche Waldmädchen in einen jungen Forstaufseher, der bei seinen Waldgängen gelegentlich in der Hütte einkehrte und Gefallen an ihr gefunden hatte. Als Marie eines Tages ihrem Vater im Wald Essen gebracht hatte, traf sie den Forstgehilfen und sie schlossen an der Kreuzung, wo heute das Kreuz steht, ihren Herzensbund. Der verschmähte Nebenbuhler lauerte indes den Liebenden auf, und als sie einmal am Grenzstein Abschied nahmen, legte er aus dem Dickicht die Flinte an, ein Schuß krachte und die beiden sanken getroffen zu Boden. Als der alte Holzhauer schließlich die Toten fand, begrub er sie schmerzerfüllt an dieser einsamen Stelle und errichtete ein kräftiges Holzkreuz. Vom Trauer und Rache erfüllt und ahnend, daß der Mörder an die Stelle seiner Untat zurückkehren werde, erschoß der Vater ihn seinerseits über dem Grab und verschwand aus der Gegend, so daß die Hütte verfiel. Jahre später fand man auch ihn tot auf dem Grab liegen, bestatte ihn dort und errichtete zum Gedächtnis an diese tragische Verquickung von Liebe und Tod, Rache und Recht, Schuld und Sühne das Graue Kreuz.


Literatur:

E.Dassmann, Die Anfänge der Kirche in Deutschland, 1993
A.Rosenkranz, Das Evangelische Rheinland I, 1956; II, 1958
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C.Schneider, Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken, 1854
F.Back, Die evangelische Kirche im Lande zwischen Rhein, Mosel, Nahe und Glan, 3 Bde., 1872-74
F.W.Kossuth, Geschichte der Kirche zu Allenbach, 1881
K.Walter, Kleine Glockenkunde, 1916
E.Renard, Von alten rheinischen Glocken: Mitteilungen des rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 1918, S.1-83
H.Fröhlich, Werden, Wirken und Leben des Wild- und Rheingräflichen Pfarrers um 1600, 1925
H.Fröhlich, Die Geschichte der Kirchenordnung in der Wild- und Rheingrafschaft bis 1690, 1927
H.Fröhlich, Die Reformation und das Volk, besonders das Bauerntum unserer Heimat, 1929
H.Fröhlich, Die Kirchengeschichte des rheinischen Oberlandes: Unsere Kirche im rheinischen Oberland, hg. v. E.Gillmann, 1954, S.101-398
H.Vogts, Die Kunstdenkmäler des Kreises Bernkastel, 1935
A.Keller, Zwischen den Wäldern. Geschichte des Amtes Kempfeld und seiner Gemeinden, 1958
F.Bösken, Die Orgelbauerfamilie Stumm aus Rhaunen-Sulzbach und ihr Werk, 1960, Neuausgabe 1981
E.Rudy, Beiträge zur Geschichte des Ortes Wirschweiler, 1987
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E.Volk, Ein Maler als evangelischer Prediger. Johann Georg Engisch 1663-1742: Luth. Nachrichten 22/2002, S.4-33
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E.Schwer, Beiträge zur Glockenkunde im Hochwald: Hochwälder Hefte zur Heimatgeschichte 42, 2003, S.155-208
E.Zimmermann, 450 Jahre Reformation in der Mark Thalfang, 2014
E.Zimmermann, Die Anfänge der Reformation im Nahe-Hunsrück-Raum vor dem Augsburger Religionsfrieden von 1555: Jahrbuch für Evangelische Kirchengeschichte 66, 2017
E.Zimmermann, Vortragsnotizen zur Kirchengeschichte von Schauren-Kempfeld-Bruchweiler im Pfarrarchiv Schauren
E.-C.Walter, Wie lieblich sind deine Wohnungen – Kirchen im Evangelischen Kirchenkreis Trier, 2018

Für freundliche Hilfen und Hinweise danke ich Pfarrer Erik Zimmermann von Hottenbach und Glockenforscher Edgar Schwer von Nonnweiler-Otzenhausen.